Arbeiten und Beschäftigen in Polen

Marta
2010-11-17 08:45

Wie findet man Arbeit in Polen?

In Polen kann man die Arbeit "auf eigene Faust" suchen, indem man den Lebenslauf samt Bewerbung bei ausgewählten Arbeitgebern einreicht, oder durch die Vermittlung von

  • öffentlichen Beschäftigungsdiensten (hauptsächlich Kreisarbeitsämter).

Um alle Arbeitsangebote, die für ein Kreisarbeitsamt verfügbar sind, in Anspruch nehmen zu können, muss der Betroffene in dem Kreisarbeitsamt als Arbeitsuchender oder Arbeitloser angemeldet sein.

Die Anmeldung erlaubt den Zugriff auf so genannte "gesperrte" Arbeitsangebote, d.h. jene, wo die Angaben über den jeweiligen Arbeitgeber nur dem Arbeitsamt bekannt sind und an der schwarzen Tafel oder in dem IT-System des Arbeitsamtes nicht verfügbar gemacht werden.

Zur Anmeldung werden folgende Dokumente benötigt:
1) der Personalausweis oder ein anderes Identitätsdokument, sowie die Anmeldebestätigung
2) ein Diplom, ein Schulabschlusszeugnis bzw. ein Schulzeugnis oder eine Kurs- bzw. Schulungsabschlussbescheinigung,
3) Arbeitszeugnisse aus dem gesamten Einstellungszeitraum
4) Alle sonstige Dokumente, die für die Feststellung eventueller Berechtigungen erforderlich sind.

Falls der EU-Bürger sich nicht entscheidet, sich im Arbeitsamt registrieren zu lassen, kann er in Arbeitsangeboten recherchieren, die im Arbeitsamt allgemein zugänglich sind oder auf den Internetseiten der öffentlichen Beschäftigungsdienste unter: www.psz.praca.gov.pl zu finden sind.

  • nichtöffentlichen Beschäftigungsdiensten

Jede nichtöffentliche Beschäftigungsagentur soll in das Register von Unternehmen, die Beschäftigungsagenturen betreiben, eingetragen sein, was durch ein vom Woiwodschaftsmarschall erteiltes Zertifikat bescheinigt ist. Die Liste der Beschäftigungsagenturen ist auf der Internetseite des Arbeitsamt-Infodienstes www.psz.praca.gov.pl unter dem Link: "Rejestr agencji zatrudnienia" [Verzeichnis der Beschäftigungsagenturen] zu finden. Die Liste kann auch im Kreis- und Woiwodschaftsarbeitsamt oder im Zentrum für Information und Planung der Beruflichen Laufbahn [Centrum Informacji i Planowania Kariery Zawodowej] eingesehen werden.

Die Beschäftigungsagentur darf von Personen, für die sie Beschäftigung sucht oder denen sie bei der Wahl des entsprechenden Berufes und Arbeitsplatzes hilft, keine Gebühren verlangen (mit Ausnahme der Rückerstattung von tatsächlich getätigten Ausgaben, die mit der Entsendung zur Arbeit im Ausland im Zusammenhang stehen).

  • Zeitungen mit Stellenanzeigen

Die meisten Tageszeitungen, sowohl die gesamtpolnischen als auch die lokalen, haben besondere Spalten mit Arbeitsangeboten. Die meisten Stellenanzeigen sind in den Montagsausgaben der "Gazeta Wyborcza", in ihrer Beilage "Praca" [Arbeit], und in der Mittwochsbeilage "Moja Kariera" [Meine Karriere] zu der Zeitung "Rzeczpospolita" zu finden.

  • Internetportalen mit Arbeitsangeboten

Man kann darin nach Arbeitsangeboten recherchieren oder den eigenen Lebenslauf platzieren exemplarische Internetseiten: www.praca.interia.plwww.praca.gazeta.pl, www.pracuj.pl, www.praca.wp.pl, www.praca.onet.plwww.jobs.pl, www.jobpilot.pl, www.topjobs.pl,
www.cvonline.pl, www.jobcenter.com.pl.

Mehr Informationen finden Sie unter:
www.psz.praca.gov.pl - Infodienst der öffentlichen Beschäftigungsdienste,
http://www.eures.praca.gov.pl// - Infoservice der EURES-Dienste.

Wie sollen Sie Ihren Lebenslauf (CV) und Ihre Bewerbung verfassen?

Der Lebenslauf (CV) soll folgende Angaben enthalten:

  • personenbezogene Daten (Vorname, Zuname, Wohnadresse, Kontakttelefonnummer, E-Mail),
  • Bildung,
  • Berufserfahrung,
  • zusätzliche Qualifikationen,
  • dem Lebenslauf soll folgende, eigenhändig unterzeichnete Klausel angefügt werden: Oświadczam, że wyrażam zgodę na przechowywanie i przetwarzanie moich danych osobowych, niezbędnych dla potrzeb procesu rekrutacji (zgodnie z ustawą z dnia 29 sierpnia 1997 roku o ochronie danych osobowych). [Ich erkläre hiermit, dass ich damit einverstanden bin, dass meine personenbezogenen Daten, die für das Rekrutierungsverfahren erforderlich sind, gespeichert und verarbeitet werden (gemäß dem Datenschutzgesetz vom 29. August 1997).]

Der Lebenslauf soll nach Möglichkeit kurz und bündig sein und ein (max. 2) weißes Blatt Papier im A4-Format ausfüllen.

Die Bewerbung ist ein kurzer Brief, der die Wahl des jeweiligen Arbeitsangebotes begründen soll. Die Bewerbung kann einen persönlicheren Charakter haben als der Lebenslauf. Sie soll über ein weißes Blatt Papier im A4-Format nicht hinausgehen. Sie soll eigenhändig unterzeichnet werden.
Nachdem der Arbeitgeber Lebensläufe und Bewerbungen der Anwärter gelesen hat, lädt er ausgewählte Personen zum Vorstellungsgespräch ein.
Einige Muster von Lebensläufen und Bewerbungen finden Sie im Infodienst der öffentlichen Beschäftigungsdienste unter http://www.psz.praca.gov.pl/ unter dem Link "Jak przygotować się do rozmowy?" [Wie sollen Sie sich auf das Gespräch vorbereiten?].

Verträge, auf Grund deren in Polen gearbeitet werden darf

Am 17. Januar 2007 wurde die Verordnung des Ministers für Arbeit und Soziales vom 10. Januar 2007 veröffentlicht, die die Verordnung über den Umfang von Beschränkungen im Bereich der Arbeitsausübung durch ausländische Personen auf dem Gebiet der Republik Polen aufhebt (Gesetzblatt [Dz.U.] Nr. 7, Pos. 54). Die Verordnung hob die Pflicht der Arbeitserlaubnis für ausländische Personen auf, für die – auf Grund von internationalen Verträgen - Übergangsfristen galten.

 

Praktisch gesehen bekamen zum 17. Januar dieses Jahres die Bürger von: Belgien, Dänemark, Deutschland, Frankreich, Liechtenstein, Luxemburg, Niederlande, Norwegen, Österreich und der Schweiz das Recht, die Arbeit auch ohne Arbeitserlaubnis aufnehmen zu können. Die sonstigen EU-Bürger erwarben dieses Recht schon früher, nach dem vertraglichen Gegenseitigkeitsprinzip.

Das bedeutet, dass alle:
1. Bürger der Mitgliedsstaaten der Europäischen Union,
2. Bürger der Staaten des Europäischen Wirtschaftsraums, die keine EU-Staaten sind, und
3. Bürger von Staaten, die keine Vertragsparteien des EWR-Vertrages sind, die jedoch das Recht auf Personenfreizügigkeit auf Grund von durch diese Staaten mit der Europäischen Gemeinschaft und deren Mitgliedsländern abgeschlossenen Verträgen in Anspruch nehmen können, die Arbeit in Polen aufnehmen dürfen, ohne dass sie zuvor die Arbeitserlaubnis erteilt bekommen müssen.

Die Bürger von Bulgarien und Rumänien können die Arbeit in Polen seit dem 1. Januar 2007, d.h. seit dem EU-Beitritt dieser Länder, ohne Einschränkungen aufnehmen. Auf die Bürger von Bulgarien und Rumänien finden die Vorschriften des Gesetzes vom 20. April 2004 über die Förderung der Beschäftigung und Arbeitsmarkteinrichtungen (Gesetzblatt Nr. 99, Pos. 1001 mit nachfolgenden Änderungen), laut denen die EU-Bürger von der Pflicht der Arbeitserlaubnis befreit sind, direkte Anwendung.

1. Arbeitsvertrag

Die grundlegende Form der Einstellung erfolgt in Polen ist der Arbeitsvertrag. Es ist gleichzeitig der günstigste Vertrag, was zusätzliche Rechte, also so genannte Arbeitnehmerrechte, anbetrifft. Alle Angelegenheiten bezüglich des Arbeitsvertrages sind in dem Gesetz über das Arbeitsgesetzbuch geregelt.

Nach dem Abschluss des Arbeitsvertrages mit einem polnischen Arbeitgeber gelten für den EU-Bürger prinzipiell polnische Arbeitsrechtsvorschriften.

In dem Arbeitsgesetzbuch werden folgende Arten von Arbeitsverträgen genannt:

  • auf Probe - solch ein Vertrag kann jedem anderen Vertrag vorangehen, er kann jedoch auf eine Dauer, die länger ist als 3 Monate, nicht abgeschlossen werden.
  • auf Zeit - es ist ein befristeter Vertrag, der auf eine bestimmte Zeit geschlossen wird. Das Arbeitsgesetzbuch beschränkt die Anzahl von solchen Verträgen, die mit ein und demselben Arbeitnehmer geschlossen werden können. Werden mit einem Arbeitnehmer zwei Arbeitsverträge auf Zeit für zwei aufeinander folgende Zeitabschnitte geschlossen, gilt der nächste Arbeitsvertrag - bezüglich seiner Rechtsfolgen - als Arbeitsvertrag auf Dauer (selbst wenn es rein formal ein Arbeitsvertrag auf Zeit wäre). Der Arbeitsvertrag wird auf unbestimmte Zeit abgeschlossen, wenn der Zeitraum zwischen Auflösung des letzten Arbeitsvertrags und Abschluss eines weitern Arbeitsvertrag auf unbestimmte Zeit einen Monat beträgt.

In der Zeit zwischen dem 22. August 2009 und 31. Dezember 2011 gilt für Arbeitgeber, die Unternehmer sind, der Grundsatz, dass die Einstellungszeit auf Grundlage eines befristeten Arbeitsvertrages und die gesamte Einstellungszeit auf Grundlage von weiteren befristeten Arbeitsverträgen, die zwischen gleichen Parteien abgeschlossen wurde, einen Zeitraum von 24 Monaten nicht überschreiten darf. Als weiterer Vertrag gilt ein Vertrag, der vor Ablauf von 3 Monaten nach Auflösung oder Erlöschen eines befristeten Vertrages abgeschlossen wurde. 

  • auf Dauer der auszuführenden Arbeit,
  • auf unbestimmte Zeit.

Abschluss des Arbeitsvertrages

Der Arbeitsvertrag soll schriftlich abgeschlossen werden und es sollen in ihm die Vertragsparteien, die Art des Vertrages, das Abschlussdatum sowie die Arbeits- und Vergütungskonditionen festgesetzt werden, insbesondere:

  • Art der Arbeit,
  • Ort der Arbeit,
  • Vergütung, die der Art der Arbeit entspricht, dabei sind die einzelnen Bestandteile der Vergütung anzugeben
  • Arbeitszeit.
  • Arbeitsbeginndatum.

Wurde der Arbeitsvertrag nicht schriftlich abgeschlossen, soll der Arbeitgeber spätestens am Tag der Arbeitsaufname durch den Arbeitnehmer dem Arbeitnehmer die Vereinbarungen bezüglich der Vertragsart, Vertrasparteien und der Vertragsbedingungen schriftlich bestätigen.

Veränderung der Arbeitsvertragsbedingungen

Die Veränderung der Arbeitsvertragsbedingungen bedarf der schriftlichen Form und kann:

  • durch einvernehmliche Vereinbarung der Parteien (der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer erklären sich damit einverstanden, dass die Arbeitsvertragsbedingungen verändert werden, und bestimmen den Zeitpunkt, ab dem die Veränderung gilt),
  • vom Arbeitgeber durch eine Kündigung, die die Arbeits- und Vergütungsbedingungen ändert
    Der Arbeitnehmer kann in diesem Fall:
    - erklären, dass er die angebotenen Konditionen akzeptiert, und in diesem Fall gelten die neuen Konditionen für ihn nach Ablauf der gesamten Kündigungsfrist, 
    - erklären, dass er die angebotenen Konditionen nicht akzeptiert; in diesem Fall wird der Arbeitsvertrag nach Ablauf der Kündigungsfrist aufgelöst,
    - keine Erklärung abzugeben braucht, was der Akzeptanz der neuen Konditionen entspricht, und in diesem Fall gelten sie für ihn nach Ablauf der gesamten Kündigungsfrist, vorgenommen werden.

Auflösung des Arbeitsvertrages

Der Arbeitsvertrag kann:

  • durch einvernehmliche Vereinbarung der Parteien,
  • durch Erklärung einer Partei unter Einhaltung der Kündigungsfrist,
  • durch Erklärung einer Partei ohne Einhaltung der Kündigungsfrist,
  • nach Ablauf der Vertragsdauer,
  • mit dem Tag der Beendigung der Arbeit, für deren Verrichtung der Vertrag abgeschlossen war aufgelöst werden.

Auflösung des Arbeitsvertrages durch einvernehmliche Vereinbarung der Parteien - in diesem Fall erklären sich der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer damit einverstanden, dass der Arbeitsvertrag im von beiden Parteien vereinbarten Termin aufgelost wird.

Auflösung des Arbeitsvertrages durch Kündigung - der Arbeitsvertrag wird durch eine schriftliche Erklärung des Arbeitnehmers oder des Arbeitgebers unter Einhaltung der Kündigungsfrist aufgelöst.

Die Kündigungsfrist für den Arbeitsvertrag auf unbestimmte Dauer hängt von der Beschäftigungsdauer des jeweiligen Arbeitnehmers ab. Den größten Schutz genießen Arbeitnehmer, die auf Dauer eingestellt waren. Die Kündigungsfrist beträgt dann entsprechend: 2 Wochen - wenn der Arbeitnehmer kürzer als 6 Monate beschäftigt war, 1 Monat - wenn der Arbeitnehmer mindestens 6 Monate beschäftigt war, 3 Monate - wenn der Arbeitnehmer mindestens 3 Jahre beschäftigt war. Beim Abschluss eines befristeten Arbeitsvertrages auf eine Dauer von über sechs Monaten können die Parteien die Zulässigkeit einer früheren Auflösung dieses Vertrages mit einer zweiwöchigen Kündigungsfrist vereinbaren.

Fristlose Kündigung des Arbeitsvertrages - der Arbeitsvertrag wird durch eine schriftliche Erklärung des Arbeitnehmers oder des Arbeitgebers ohne Einhaltung der Kündigungsfrist aufgelöst. Der Arbeitgeber kann den Arbeitsvertrag in diesem Verfahren nur durch Verschulden des Arbeitnehmers auflösen:

 

  • wenn der Arbeitnehmer die grundlegenden Arbeitnehmerpflichten schwerwiegend verletzt hat,
  • wenn der Arbeitnehmer während der Dauer des Arbeitsvertrages eine Straftat begangen hat, die seine weitere Beschäftigung unmöglich macht, wenn diese Straftat ohne Zweifel vorliegt oder durch ein rechtskräftiges Urteil bestätigt wurde.
  • infolge eines durch den Arbeitnehmer verschuldeten Verlustes der zur Ausführung seiner beruflichen Aufgaben erforderlichen Berechtigungen,

oder aus Gründen, die vom Arbeitnehmer nicht verschuldet waren:

  • bei Erwerbsunfähigkeit des Arbeitnehmers durch eine Krankheit, die nach den Arbeitsrechtsvorschriften eine bestimmte Zeit andauert.
  • Bei entschuldigter Abwesenheit des Arbeitsnehmers, die länger als einen Monat dauert, und zwar aus anderen Gründen, als eine Krankheit

Der Arbeitnehmer kann einen Arbeitsvertrag fristlos kündigen:

  • wenn der Arzt einen gesundheitsschädlichen Einfluss der ausgeübten Tätigkeit auf ihn festgestellt und der Arbeitgeber ihn nicht mit einer anderen Tätigkeit betraut hat, welche dem Gesundheitszustand und beruflichen Qualifikationen des Arbeitnehmers entspricht,
  • wenn der Arbeitgeber seine Grundpflichten gegenüber dem Arbeitnehmer schwerwiegend verletzt hat.

Arbeitszeit

Die Arbeitzeit darf 8 Stunden täglich und durchschnittlich 40 Stunden in einer durchschnittlichen Fünf-Tage-Arbeitswoche innerhalb des Unrechnungszeitraumes nicht überschreiten. Die wöchentliche Arbeitszeit mit Überstunden darf durchschnittlich keine 48 Stunden im Umrechnungszeitraum überschreiten. Der Arbeitnehmer darf im Kalenderjahr nicht mehr als 150 Überstunden wegen eines besonderen betrieblichen Bedarfs leisten. Für die Überstunden stehen dem Arbeitnehmer ein Vergütungszuschlag oder eine arbeitsfreie Zeit zu.

Vergütung

Die Vergütung soll so festgelegt werden, dass die der Art der ausgeführten Arbeit und den Qualifikationen, die zu deren Ausführung notwendig sind, entspricht, und die Menge und Qualität der geleisteten Arbeit berücksichtigt.
Die Festlegung der Vergütungskonditionen erfolgt aufgrund von: betrieblichen Tarifverträgen und betriebsübergreifenden Tarifverträgen (abgeschlossen durch Arbeitgeber, bei denen Betriebsgewerkschaften funktionieren), Vergütungsordnungen (bei Arbeitgebern, die zumindest 20 Mitarbeiter beschäftigen, die von keinem betrieblichen oder betriebsübergreifenden Tarifvertrag erfasst sind) und Arbeitsverträgen. Das Arbeitsentgelt steht für geleistete Arbeit zu. Für die Zeit, in der ein Arbeitnehmer nicht arbeitet, behält er das Recht auf Vergütung nur dann, wenn es in Rechtsvorschriften so geregelt ist. Das Arbeitsentgelt wird mindestens einmal monatlich zu einem festen, im Voraus bestimmten Termin ausgezahlt.

Zum Zwecke des Lohnschutzes enthält das polnische Arbeitsgesetzbuch eine Vorschrift, laut der der Arbeitnehmer auf das Recht auf Arbeitsentgelt weder verzichten, noch dieses Recht auf eine andere Person übertragen kann.

In Polen gilt ein gesetzlich verankerter Mindestlohn. Er beträgt zurzeit 1.276 PLN brutto (Stand zum 1. Januar 2009) - für einen vollzeitbeschäftigten Mitarbeiter.

Erholungsurlaub

Die Dauer des Erholungsurlaubs eines vollzeitbeschäftigten Arbeitnehmers beträgt im Kalenderjahr:

  • 20 Tage - soweit der Arbeitnehmer kürzer als 10 Jahre beschäftigt ist,
  • 26 Tage - soweit der Arbeitnehmer mindestens 10 Jahre beschäftigt ist.

Ein Arbeitnehmer, der seine Arbeit erstmalig aufnimmt, erwirbt im Kalenderjahr der Arbeitsaufnahme Anspruch auf Urlaub mit Ablauf eines jeden Arbeitsmonats in Höhe von 1/12 des Urlaubs, der ihm nach Durcharbeitung eines Jahres zusteht.

Der Urlaubsanspruch eines teilzeitbeschäftigten Arbeitnehmers errechnet sich anteilig nach Arbeitszeitausmaß dieses Arbeitnehmers.
Auf Antrag des Arbeitnehmers kann der Urlaub aufgeteilt werden. In diesem Fall hat jedoch mindestens ein Teil der Erholungszeit nicht kürzer als 14 aufeinander folgende Kalendertage zu dauern.

Für die Urlaubszeit steht dem Arbeitnehmer Vergütung in einer Höhe zu, die er - soweit er in dieser Zeit gearbeitet hätte - erhalten hätte.

Andere Urlaubsarten und Abwesenheiten

Neben dem Erholungsurlaub sieht das Arbeitsgesetzbuch folgende Urlaubsarten vor:

  • unbezahlter Urlaub - zu gewähren auf schriftlichen Antrag des Arbeitnehmers (dieser Urlaub wird in die Dienstzeit, nach der sich die Arbeitnehmerberechtigungen richten, nicht einbezogen);
  • Mutterschaftsurlaub - eine Arbeitnehmerin, die ein Kind geboren hat, hat Anspruch auf Mutterschaftsurlaub, dessen Dauer
    - 20 Wochen - bei der Geburt eines Kindes;
    - 31 Wochen - bei der Geburt von zwei Kindern;
    - 33, 35 oder 37 Wochen bei Mehrlingsgeburten von 3, 4 oder mindestens 5 Kindern
    beträgt.

Einen Teil des Mutterschaftsurlaubs kann ein Arbeitnehmer als erziehender Vater beanspruchen. . Seit dem 01.01.2010 steht das Vaterschaftsgeld auch einem Vater während des Vaterschaftsurlaubs zu.

Für die Zeit des Mutterschaftsurlaubs hat die Arbeitnehmerin Anspruch auf das Mutterschaftsgeld in Höhe von 100% des Lohnes.

  • Erziehungsurlaub - er steht einem Arbeitnehmer in einer Dauer von bis zu 3 Jahren zwecks persönlicher Kindesbetreuung, zu jedoch nicht länger als bis zur Vollendung des 4. Lebensjahres des Kindes; Diese Form des Erziehungsurlaubs dürfen diejenigen Arbeitnehmer in Anspruch nehmen, die seit mindestens 6 Monate beschäftigt sind. Der Erziehungsurlaub kann von der Mutter oder dem Vater, die Arbeitnehmer sind, beansprucht werden.
  • Sonderurlaub darf unter folgenden Umständen gewährt werden:
    - bei Eheschließung des Arbeitnehmers oder bei Geburt seines Kindes, oder beim Tod und Begräbnis des Ehepartners, des Vaters, der Muter, des Stiefvaters, der Stiefmutter oder des Kindes des Arbeitnehmers - 2 Tage,
    - bei Eheschließung des Kindes des Arbeitnehmers oder beim Tod und Begräbnis seiner Schwester, seines Bruders, der Schwiegermutter, des Schwiegervaters, der Großmutter, des Großvaters oder einer anderen Person, für deren Unterhalt der Arbeitnehmer aufgekommen ist oder die direkt unter seiner Vormundschaft stand - 1 Tag.

Falls Ursache für den Urlaub Eheschließung, Geburt oder Begräbnis sind, hat der Arbeitnehmer Anspruch auf 100% der Vergütung.

ACHTUNG !

Nachgewiesene, im Ausland bei ausländischen Arbeitgebern angefallene Beschäftigungszeiten von EU-Bürgern werden auf die Beschäftigungszeit in Polen im Bereich der Arbeitnehmerberechtigungen angerechnet.

Mehr Informationen finden Sie unter:
www.mpips.gov.pl - Ministerium für Arbeit und Soziales,
www.pip.gov.pl - Staatliche Aufsichtsbehörde für den Arbeitsschutz.

2. Auftragsvertrag

Der Auftragsvertrag ist eine populäre Grundlage der Arbeitsleistung wegen der Gestaltungsfreiheit in puncto der Auftragsausführung, wie Arbeitszeit und Arbeitsort. Auf den Arbeitsvertrag finden Vorschriften des Zivilgesetzbuches Anwendung. Der Auftragsvertrag ist ein befristeter oder unbefristeter Vertrag. Der Auftragnehmer verpflichtet sich, zu Gunsten des Auftraggebers bestimmte Arbeiten auszuführen. Es ist eine so genannte Sorgfaltspflichtvereinbarung; der Auftragnehmer soll bei Erfüllung des Auftrags besondere Sorgfalt walten lassen. Der Auftragnehmer erfüllt die in Auftrag gegebene Arbeit selbständig (es gibt keine Unterordnung und keine Arbeitsausführung unter Leitung einer anderen Person, was für den Arbeitsvertrag charakteristisch wäre), er kann auch den Termin und den Ort der Auftragserfüllung selbst bestimmen (der Auftragsvertrag bestimmt meistens nur den Endtermin für die Auftragserfüllung). Der Auftragsvertrag kann von jeder Vertragspartei gekündigt werden. Wird der Auftragsvertrag vom Auftraggeber gekündigt, soll er dem Auftragnehmer dessen Ausgaben zurückerstatten und den Teil der Vergütung bezahlen, der anteilsmäßig
dessen bisheriger Arbeit entspricht. Wird der Auftragsvertrag vom Auftragnehmer gekündigt, ist er verpflichtet, den Schaden zu ersetzen, der dem Auftraggeber aus Nichterfüllung des Auftrages entsteht.

Aus Abschluss des Auftragsvertrages finden auf den Auftragnehmer sozialversicherungs- und steuerrechtliche Vorschriften Anwendung.

3. Werkvertrag

Der Werkvertrag ist auch ein befristeter Vertrag, auf den Vorschriften des Zivilgesetzbuches Anwendung finden. Es ist ein so genannter Ergebnisvertrag, in dem der Auftragnehmer sich dazu verpflichtet, ein bestimmtes Werk zu leisten, und der Auftraggeber sich dazu verpflichtet, die im Werkvertrag genannte Vergütung zu bezahlen.

Es ist zu betonen, dass die Anwendung des Auftragsvertrages bzw. des Werkvertrages zwecks Umgehung von Vorschriften über die Sozialversicherung und die Arbeitnehmerrechte eine Ordnungswidrigkeit ist. Feste Arbeitszeiten mit festgelegtem Aufgabenumfang unter Aufsicht des Arbeitgebers können von Kontrollbehörden als Arbeit betrachtet werden, die im Rahmen eines Arbeitsvertrages verrichtet wird.

Anerkennung von Berufsqualifikationen

Die Anerkennung von den in anderen EU-Ländern erworbenen Berufsqualifikationen erfolgt in Polen in Anlehnung an:

  • das Sektorensystem der Qualifikationsanerkennung oder
  • das allgemeine System der Qualifikationsanerkennung.

1. Das Sektorensystem der Anerkennung von Berufsqualifikationen ist ein System der automatischen Anerkennung von Qualifikationen, in dem sieben reglementierte Berufe erfasst sind - Arzt (Allgemeinarzt und Facharzt), Zahnarzt, Pharmazeut, allgemeine Krankenschwester, Hebamme, Tierarzt und Architekt. Besitzt die jeweilige Person ein in der entsprechenden Richtlinie (oder im Beitrittsvertrag, der den Geltungsbereich der Richtlinien erweitert) bezeichnetes Diplom und einen bestimmten Berufstitel (z.B. Augenarzt, Architekt, Hebamme), ist das eine ausreichende Voraussetzung, damit ihre Berufsqualifikationen anerkannt werden und sie ihre Arbeit aufnehmen kann.

2. Das allgemeine System der Anerkennung von Berufsqualifikationen ist ein System der Anerkennung von Qualifikationen für jene reglementierten Berufe und Tätigkeiten, die von dem Sektorensystem der Anerkennung von Berufsqualifikationen nicht erfasst sind. Sie werden also nicht automatisch anerkannt, sondern individuell von den zuständigen Behörden des Ziellandes überprüft. Sind die Unterschiede in der jeweiligen Berufsausbildung groß, kann die zuständige Behörde die Anerkennung von Qualifikationen von der Erfüllung einer der Ausgleichmaßnahmen abhängig machen, es müsste dann z.B. ein Anpassungspraktikum absolviert oder eine Eignungsprüfung, der so genannte Fertigkeitstest, bestanden werden, wobei in den meisten Fällen die Wahl der Maßnahme beim Betroffenen liegt. Es wird auch die Berufserfahrung der die
 Qualifikationsanerkennung beantragenden Person berücksichtigt.

Der Antrag auf die Anerkennung der Berufsqualifikationen samt entsprechenden Anlagen ist bei der Behörde zu stellen, die für die Anerkennung der zur Ausübung des jeweiligen reglementierten Berufes zuständig ist.

Ein Verzeichnis der erforderlichen Anlagen befindet sich unter: http://www.nauka.gov.pl/mn/index.jsp?place=Menu06&news_cat_id=1554&layout=2#23.
Eine Liste der in Polen reglementierten Berufe befindet sich unter: http://www.nauka.gov.pl/mn/index.jsp?place=Menu06&news_cat_id=1554&layout=2#25.

Im Laufe des Anerkennungsverfahrens kann die zuständige Behörde sich an das Ministerium für Bildung und Hochschulwesen mit der Bitte wenden, ein Gutachten über das jeweilige Ausbildungsniveau zu erstellen. Werden in den Fallunterlagen Lücken festgestellt, bittet die zuständige Behörde den Antragsteller um die Ergänzung der Unterlagen. Die Entscheidung über die Anerkennung der Berufsqualifikationen soll binnen 3 Monaten nach Einlieferung der vollständigen Fallunterlagen bekannt gegeben werden. In Sonderfällen kann diese Frist auf 4 Monate verlängert werden.

ACHTUNG !

Ein EU-Bürger, der seine Berufsqualifikationen in einem der EU-Länder erworben hat und nun vorhat, seinen Beruf in Polen auszuüben, soll zunächst mal nachsehen, ob dieser Beruf sich auf der Liste der in Polen reglementierten Berufe befindet Berufe befindet (die Liste ist auf der Internetseite des Ministeriums für Bildung und Hochschulwesen unter: http://www.nauka.gov.pl/mn/index.jsp?place=Menu06&news_cat_id=1554&layout=2#25 zu finden). Die Anerkennung der Qualifikationen für berufliche Zwecke betrifft nämlich ausschließlich die reglementierten Berufe, also jene, deren Ausübung vom Besitz bestimmter Qualifikationen abhängig gemacht wird. In Polen werden über 300 Berufe reglementiert. Ist ein Beruf nicht reglementiert, entscheidet nur der Arbeitgeber über die Anerkennung der Qualifikationen.

Informationen über die Anerkennung der in der Europäischen Union erworbenen Berufsqualifikationen erhält man in Polen Bei Ministerium für Bildung und Hochschulwesen, ul. Wspólna 1/3, 00-529 Warszawa
Tel.: +48 22 628 67 76, Fax: +48 22 628 35 34,
E-mail: kwalifikacje@mnisw.gov.pl Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! Du musst JavaScript aktivieren, damit Du sie sehen kannst. .

Mehr Informationen finden Sie unter:
www.mnisw.gov.pl oder www.nauka.gov.pl

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