Sozialversicherung, Krankenversicherung und Rente in Polen

Marta
2010-11-17 09:05
Sozialversicherungen in Polen Drucken

Das Sozialversicherungssystem hat in Polen einen allgemeinen und obligatorischen Charakter. Sozialversichert - im Bereich ausgewählter Risiken - sind Personen, die, unter anderem, Arbeitnehmer, Auftragnehmer im Rahmen von Auftragverträgen oder auch selbständig Gewerbetreibende sind.

ACHTUNG !

Für EU-Bürger gelten die Sozialversicherungen in Polen nach denselben Regeln wie für polnische Staatsbürger.

Altersrentenversicherung

Die Altersrentenversicherung ist eine Versicherung gegen Erwerbsunfähigkeit infolge des hohen Alters. Altersrentenversicherungsbeiträge zahlende Personen sichern sich so Einkünfte, nachdem sie bei Erreichung des Rentenalters die Berufstätigkeit aufgegeben haben.

Seit dem 1. Januar 1999 gilt in Polen ein neues Altersrentensystem. Es setzt voraus, dass künftige Rentner die Altersrente zumindest aus zwei Quellen beziehen werden:
1. aus der Sozialversicherungsanstalt,
2. aus einem Offenen Pensionsfonds.

Ein Offener Pensionsfonds ist eine juristische Person, deren Ziel es ist, Finanzmittel zu speichern, die aus Altersrentenversicherungsbeiträgen und Investitionen am Finanzmarkt stammen. Die Mittel dienen dazu, die Altersrente an eigene Fondsmitglieder auszuzahlen, nachdem diese das Rentenalter erreicht haben. Einem Offenen Pensionsfonds müssen Personen beitreten, die nach dem 31. Dezember 1968 geboren wurden.

Der Altersrentenversicherungsbeitrag beträgt 19,52 % der Beitragsbemessungsgrundlage - die Beitragshöhe hängt also vom Einkommen des Versicherten ab. 12,22 % der Beitragsbemessungsgrundlage werden der Sozialversicherungsanstalt zugeführt. 7,3 % der Beitragsbemessungsgrundlage werden, durch Sozialversicherungsanstalt (ZUS) dem vom Versicherten gewählten Offenen Pensionsfonds zugeführt, falls der jeweilige Versicherte einem Offenen Pensionsfonds beigetreten ist (ist der Versicherte keinem Pensionsfonds beigetreten, wird der gesamte Altersrentenversicherungsbeitrag der Sozialversicherungsanstalt zugeführt).

Der Altersrentenversicherungsbeitrag wird zu gleichen Teilen vom Arbeitnehmer und dem Versicherten finanziert, wobei der Teil des Versicherungsbeitrags, der in den Offenen Pensionsfonds eingezahlt wird, vollständig aus dem vom Versicherten bezahlten Teil kommt. Verantwortlich für die Entrichtung des Versicherungsbeitrags ist der Arbeitnehmer.

Die Höhe der künftigen Altersrente des Versicherten hängt von der Höhe der Vergütung, von der wiederum die Höhe des Versicherungsbeitrags abhängt, und von der Versicherungszeit ab.

Das gesetzliche Rentenalter beträgt in Polen 60 Jahre für Frauen und 65 Jahre für Männer.
Über die Altersrentengewährung entscheiden die für den Wohnort der diese Leistung beantragenden Person zuständigen Behörden der Sozialversicherungsanstalt. Das Verfahren zur Altersrentengewährung beginnt, nachdem der Betroffene den entsprechenden Antrag gestellt hat.

Invalidenrentenversicherung

Die Invalidenrentenversicherung garantiert Geldleistungen bei Verlust von Geldeinkünften im Zusammenhang mit Eintritt des Invaliditätsrisikos (Erwerbsunfähigkeit oder Tod des einzigen Familienernährers). In diesem Fall erhalten Personen, die Invalidenrentenversicherungsbeiträge eingezahlt haben, die Arbeitsunfähigkeitsrente, die ihnen den entgangenen Lohn oder das entgangene Einkommen ersetzt, und beim Tod des versicherten Familienernährers wird zu Gunsten seiner Angehörigen die Familienrente ausgezahlt.

Die Invalidenrentenversicherung beträgt 6 % der Beitragsbemessungsgrundlage, wobei 4,5 aus den Mitteln des Arbeitgebers und 1,5 % aus den Mitteln des Arbeitnehmers finanziert wird.

1. Arbeitsunfähigkeitsrente

Die Arbeitsunfähigkeitsrente steht einem Versicherten zu, der insgesamt folgende Bedingungen erfüllt:

  • er wurde für teilweise oder vollständig erwerbsunfähig erklärt,
  • seine Versicherungs- und Nichtversicherungszeit ist dokumentiert,
  • die Erwerbsunfähigkeit entstand in einer Zeit, die im Gesetz ausdrücklich genannt ist.

Eine vollständig erwerbsunfähige Person ist eine Person, die die Fähigkeit, jede Art von Arbeit auszuüben, verloren hat. Eine teilweise erwerbsunfähige Person ist eine Person, die zum großen Teil die Fähigkeit verloren hat, eine Arbeit auszuüben, die ihren Qualifikationen entspricht. Die Erwerbsunfähigkeit ihren Grad wird vom Gutachterarzt der Sozialversicherungsanstalt festgestellt, der als erste Gutachterinstanz fundiert, oder von einer Ärztekommission von ZUS - als die zweite Gutachterinstanz ist.

2. Familienrente

Die Familienrente steht den berechtigten Angehörigen (Kindern, Witwe, Witwer, Eltern) nach dem Tod einer Person, die zum Zeitpunkt ihres Todes die Alters- bzw. die Arbeitsunfähigkeitsrente bezogen hat, und nach dem Tod einer arbeitenden Person, die die zur Alters- bzw. Arbeitsunfähigkeitsrentengewährung erforderliche Versicherungszeit hatte, zu. Bei der Bewertung des Anspruchs auf Familienrente wird angenommen, dass die verstorbene Person vollständig erwerbsunfähig war.

Arbeitsunfall- und Berufskrankheitsversicherung

Mit der Arbeitsunfall- und Berufskrankheitsversicherung sind, unter anderem, Arbeitnehmer, Auftragnehmer im Rahmen von Auftragverträgen oder auch selbständig Gewerbetreibende erfasst.

Leistungen aus Arbeitsunfall oder Berufskrankheit stehen Personen zu, die dagegen versichert waren. Es sind:

  • Krankengeld - zu Gunsten des Versicherten, dessen Erwerbsunfähigkeit durch Arbeitsunfall oder Berufskrankheit verursacht wurde,
  • Rehabilitationsgeld - auszuzahlen nach Erschöpfung des Krankengeldes, falls der Versicherte weiterhin erwerbsunfähig ist und die weitere Behandlung oder Rehabilitation auf die Wiederherstellung der Erwerbsfähigkeit hoffen lässt,
  • Ausgleichsgeld - zu Gunsten des Versicherten, der Arbeitnehmer ist und dessen Vergütung wegen dauerhaften bzw. langfristigen Gesundheitsverlustes reduziert wurde,
  • einmalige Entschädigung - zu Gunsten des Versicherten, der einen dauerhaften bzw. langfristigen Gesundheitsverlust erlitten hat, oder zu Gunsten der Angehörigen des verstorbenen Versicherten bzw. Rentners,
  • Arbeitsunfalls- bzw. Berufskrankheitsrente - steht dem Versicherten unabhängig von seiner Versicherungszeit zu, (auch dann, wenn der Unfall an seinem ersten Arbeitstag passiert wäre), und auch der Person, deren Erwerbsunfähigkeit auch nach Ablauf von 18 Monaten nach Versicherungsbeendigung eingetreten ist. Bei Wiederherstellung der Erwerbsfähigkeit und somit bei Verlust des Rentenanspruchs und dann bei wiederholtem Eintritt der Erwerbsunfähigkeit wird der Anspruch auf Rente wiederholt wiederhergestellt, unabhängig von der Zeit, die seit dem zuvorgekommenen Verlust des Rentenanspruchs verstrichen ist. Die Leistungen aus der Unfallversicherung stehen dem Versicherten nicht zu, falls die ausschließliche Ursache des Unfalls in der nachgewiesenen Verletzung von Unfallverhütungsvorschriften begründet war, die von ihm vorsätzlich bzw. grob fahrlässig herbeigeführt worden ist. Die Leistungen stehen dem Versicherten auch dann nicht zu, falls er den Unfall zum großen Teil selbst, unter Alkohol- oder Drogeneinfluss stehend, verursacht hat.
  • Umschulungsrente - zu Gunsten des Versicherten, soweit laut Gutachten festgestellt wurde, dass es zweckmäßig ist, ihn an Berufsumschulungsmaßnahmen wegen seiner Erwerbsunfähigkeit in seinem bisherigen Beruf, die durch einen Unfall bzw. eine Berufskrankheit verursacht wurde, teilnehmen zu lassen,
  • Familienrente - zu Gunsten der Angehörigen des verstorbenen Arbeitsunfall- bzw. Berufskrankheitsversicherten und Familienrentenzuschlag - zu Gunsten einer Vollwaisen,
  • Pflegegeld - zu Gunsten einer rentenberechtigten Person, die für vollständig erwerbsunfähig und für zum selbständigen Leben unfähig erklärt wurde oder das 75. Lebensjahr vollendet hat,
  • Erstattung von Behandlungskosten - im Bereich der Zahnheilkunde und Schutzimpfungen sowie Versorgung mit orthopädischen Gegenständen.
    Der Unfallversicherungsbeitrag beträgt von 0,40 bis 8,12 der Beitragsbemessungsgrundlage und wird ausschließlich aus den Mitteln des Arbeitgebers finanziert.

Krankengeld- und Mutterschaftsversicherung

Der obligatorischen Krankengeld- und Mutterschaftsversicherung unterliegen hauptsächlich Arbeitnehmer. Auf eigenen Antrag und freiwillig können die Krankengeld- und Mutterschaftsversicherung auch Personen abschließen, die durch die obligatorische Alters- und Invalidenrentenversicherung erfasst sind, und, unter anderem, die Arbeit auf Grund von Agentur- oder Auftragsverträgen und eine landwirtschaftsfremde Tätigkeit ausüben(Gewerbetreibende, Kunstschaffende und Freiberufler).
Die Höhe des Krankgeld- und Mutterschaftsversicherungsbeitrags beträgt 2,45 % der Beitragsbemessungsgrundlage. Der Betrag wird aus den Mitteln des Arbeitnehmers finanziert.

Aus der Krankengeld- und Mutterschaftsversicherung werden folgende Leistungen ausgezahlt:

  • Krankengeld

Krankengeldberechtigt ist ein Versicherter, der während der Krankengeldversicherungszeit erkrankt ist. Prinzipiell erwirbt der Versicherte Anspruch auf das Krankengeld nach Ablauf der so genannten Wartezeit. Eine Person, die der obligatorischen Krankengeldversicherung unterliegt, erwirbt Anspruch auf das Krankengeld nach Ablauf von 30 Tagen ununterbrochener Krankengeldversicherung. Eine Person, die dieser Versicherung auf freiwilliger Basis unterliegt, erwirbt Anspruch auf sie nach Ablauf von 90 Tagen ununterbrochener Krankengeldversicherung. Vom ersten Tag der Krankengeldversicherung an haben, unter anderem, obligatorisch Versicherte, die zumindest eine 10-jährige Dauer der obligatorischen Krankengeldversicherung bereits vorzuweisen haben, Anspruch auf das Krankengeld.

Das Krankengeld steht dem Versicherten in Höhe von 80% der Bemessungsgrundlage und in Höhe von 70% der Bemessungsgrundlage für die Zeit des Krankenhausaufenthalts zu.

Falls die Erwerbsunfähigkeit infolge eines Unfalls auf dem Weg zur Arbeit oder von der Arbeit oder während der Schwangerschaft eintrat, beziehungsweise einen Gewebe-, Zellen- oder Organspender betrifft, wird das Krankengeld in Höhe von 100% der Bemessungsgrundlage ausgezahlt.

  • Rehabilitationsgeld
    Das Rehabilitationsgeld wird einem Versicherten gewährt, dessen Anspruch auf Krankengeldleistungen abgelaufen ist, der aber weiterhin erwerbsunfähig ist. Diese Leistung steht dem Versicherten für eine Zeit zu, die unentbehrlich ist, um die Erwerbsfähigkeit wiederherzustellen, jedoch nicht länger als 12 Monate.
  • Ausgleichsgeld
    Das Ausgleichsgeld steht ausschließlich Versicherten zu, die Arbeitnehmer sind. Das Ausgleichsgeld erhalten Arbeitnehmer, deren Vergütung infolge der Inanspruchnahme von Rehabilitationsleistungen gesenkt wurde oder denen aus gesundheitlichen Gründen ein anderer Arbeitsposten zugewiesen wurde.
  • Mutterschaftsgeld
    Das Mutterschaftsgeld steht einer Versicherten Person zu, die während der Krankengeldversicherung oder während des Erziehungsurlaubs:
    - ein Kind geboren hat,
    - ein Kind im Alter von bis zum siebten Lebensjahr angenommen hat, oder - wenn die Schulpflicht gegenüber einem Kind verschoben wurde - ein Kind bis zum 10. Lebensjahr angenommen hat und beim Vormundschaftsgericht einen Antrag auf Annahme des Kindes eingereicht hat.
    - ein Kind im Alter von bis zum siebten Lebensjahr als Pflegefamilie aufgenommen hat, oder - wenn die Schulpflicht gegenüber einem Kind verschoben wurde- ein Kind bis zum 10. Lebensjahr angenommen hat, allerdings mit Ausnahme der mit dem Kind nicht verwandten Mitgliedern einer professionellen Pflegefamilie.

Auf den Versicherten finden die Vorschriften zum Mutterschaftsgeld Anwendung, auch wenn er ein Kind angenommen hat.
Das Mutterschaftsgeld wird bei der Geburt eines Kindes 20 Wochen lang ausgezahlt - (bei Mehrlingsgeburten länger - zwischen 31 bis maximal 37 Wochen).

Die Höhe des Mutterschaftsgeldes beträgt 100% des Arbeitslohns. Die Bemessungsgrundlage des Mutterschaftsgeldes ist die Höhe der durchschnittlichen Monatsvergütung, welche die berechtigte Person in den letzten 12 Monaten vor dem Monat bezogen hatte, in dem das Recht auf Mutterschaftsgeld begründet wurde. Auch von dem Mutterschaftsgeld werden Alters- und Invalidenrentenversicherungsbeiträge berechnet. (Diese Beiträge werden aber aus der Staatskasse finanziert).

  • Fürsorgegeld,
    Das Fürsorgegeld wird dann ausgezahlt, wenn, unter anderem, die Notwendigkeit eintritt, für ein krankes Kind im Alter von bis zu 14 Jahren oder ein anderes Familienmitglied zu sorgen.
    Die Höhe des monatlichen Fürsorgegeldes beträgt 80 % der Bemessungsgrundlage der Beihilfe.


Mehr Informationen finden Sie unter:
www.zus.pl - Sozialversicherungsanstalt

Berechtigt zur Festlegung von Leistungsansprüchen und zur Überprüfung und Bewertung vorgelegter Dokumente sind einzig und allein Behörden der Sozialversicherungsanstalt, die für den Wohnsitz der Antrag auf Leistungen stellenden Person zuständig sind.

Informationen über die Berücksichtigung von im Ausland verbrachten Versicherungszeiten bei Gewährung von Alters- und Invalidenrentenleistungen, die der gemeinschaftlichen Koordinierung unterliegen, erteilt, als Verbindungseinrichtung:

Biuro Rent Zagranicznych Zakładu Ubezpieczeń Społecznych [Büro für Ausländische Renten an der Sozialversicherungsanstalt]:
ul. Senatorska 10, 00-082 Warszawa
Tel.: + 48 022 826 05 53
Fax + 48 022 827 40 09
E-Mail:

dbrz@zus.pl

Tags: Sozialversicherung
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